„Frau zu sein stell Dir ‚mal nicht so einfach vor“, höre ich immer von meiner Frau. Frau zu sein in der SPD ist noch eine Nummer härter.  Auch im zweiten Anlauf hat Frau Ypsilanti es nicht geschafft, Regierungschefin zu werden. Bis zuletzt soll sie mit weichem sch-Laut gezischelt haben „Isch will regieren!“ und hat es voll versemmelt. Jetzt verzichtet sie auf die Position der Spitzenkandidatin, nicht aber auf den Posten als SPD-Chefin. Als Nachfolger hat sie einen „kreativen, intelligenten und fleissigen Abgeordneten“ durchgedrückt, der besonders durch nichts als eine SPD-typische Besonderheit auffällt, nämlich durch einen Doppelnamen.
Frau Simonis hat es seinerzeit immerhin weitaus verzweifelter versucht, sich wählen zu lassen. Ingesamt sollen es wohl vier Versuche gewesen sein, ohne dass sie die erforderliche Mehrheit bekam. Simonis beklagt sich auch, dass die Abweichler Ypsilanti haben ins Messer laufen lassen. Eine bei der SPD nicht unübliche Methode sich im letzten Moment seines Gewissens zu erinnern.
Die Frage, die sich mir stellt, ist allerdings eine ganz andere, weil ich diese Art der politischen Auseinandersetzungen etwas zurückgelehnter und mehr aus dem Blickwinkel der Unterhaltung betrachte.  Ist es denn wirklich so wichtig, ob die Frau Simonis es geschafft hätte, oder die Frau Ypsilanti? Viel wichtiger ist doch das Leben danach. Das Leben nach der Politik. Da geht es doch erst richtig los. Ypsilanti und Simonis sollen doch als erstes Damen-Doppel bei der nächsten Staffel von „Let’s dance“ mitmachen. Und als Überraschungsgast um das intellektuelle Niveau zu wahren hat sich Sarah Palin angesagt.

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Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

soll angeblich von Kurt Tucholsky 1930 geschrieben und in der „Die Weltbühne“ veröffentlicht worden sein. Dem ist aber nicht so!! Siehe  Kurt Tucholsky-Gesellschaft.