Mannichl die Vierte

16/03/2009

Diese Provinzposse geht weiter. Der furchtlose Cop Mannichl heult sich im „Stern“ aus. Richtig süss. Eigentlich soll er den Mund halten. Das hat ihm sein Vorgesetzter gesagt. Das Interview im „Stern“ ist köstlich. Auf wichtige Fragen beruft er sich auf die Ermittlungen und kann dazu nichts sagen. Bei anderen unwichtigen Dingen plappert er munter drauflos. Auch heute, fast 3 Monate nach der „Tat“ gibt es keine Einzelheiten zu seiner Wunde. Zeigen will er sie den Stern-Reportern nicht; die Ärzte dürfen darüber auch nichts sagen, da laufen noch Ermittlungen.——– Es duftet weiterhin sehr unangenehm!

Advertisements

Ganz kleinlaut hat die Polizei jetzt die Fahndungsplakate zurückgezogen. Das war in den meisten Zeitungen, ebenfalls recht kleinlaut, in einem Dreizeiler zu lesen. Das interessante an dieser Aktion ist, man hat die Fahndungsplakate zurückgezogen, will heissen, nach den Personen, die auch Mannichl so als Täter beschrieben hatte, wird nun nicht mehr gefahndet. Auf der anderen Seite wurde die Belohnung für die Ergreifung des Täters vervierfacht. Das Geld hol‘ ich mir. Dann lass‘ ich jetzt ‚mal den Mannichl verhaften!!??

Dreieinhalb Wochen ist es her, dass der Herr Mannichl, seines Zeichens Polizeipräsident in Bayern, vor seiner Villa mit einem Messer angegriffen wurde. Sofort, und dafür bin ich unseren Medien dankbarst verbunden, wurden wir aufgeklärt, dass das nur Rechte gewesen sein konnten. Denn die hat der Herr Mannichl immer so bekämpft. Flugs hat man uns, wobei mich die Schnelligkeit da ab und an doch ein wenig irritiert, Bilder auf allen Kanälen gezeigt, in denen der furchtlose Cop Mannichl bei einer Demo von Rechten Ordnung schafft. Es wurde, auch flugs, eine 50-köpfige Sonderkommission gebildet und fleissig verhaftet. Zuerst 2 Männer, der rechten Szene zugeordnet, dann ein Ehepaar, ebenfalls der rechten Szene zugeordnet, aber das war alles nur heisse Luft. Phantombilder, die man nach Mannichl’s Angaben gefertigt und überall verteilt hat, sind laut Aussagen von Fachleuten wenig professionell.  Die, ich sag jetzt einfach ‚mal angeblichen, Täter haben mordsmässig grosse Tätowierungen an Hals und Gesicht. Und mit so einer Tätowierung kann man sich dann ja auch vor einer Sonderkommission mit 50 Beamten und einer informierten Bevölkerung verstecken. Das Tatmesser soll übrigens dem Herrn Mannichl gehören. Das hatte er auf seinem Fensterbrett draussen am Haus liegengelassen. Klar, wenn man jemanden meucheln will, dann nimmt man kein Messer mit, da wird schon irgendwas ‚rumliegen.  Übrigens, am Tatmesser befinden sich keine DNA-Spuren. Kommen wir hier vielleicht mit „cui bono“, also wem nützt es, weiter? Diese Geschichte hat natürlich einen Zweck. Denn, wie bereits gesagt, irritiert es mich gewaltig, wenn kurz nach der Tat auf allen Fernsehkanälen Politiker zu dieser Tat etwas sagen. Das ging mir nicht nur zu schnell, sondern das kam auch alles recht glatt daher. Immer der gleiche Tenor. Wir brauchen schärfere Gesetze, um diesen Radikalen das Handwerk zu legen. Übrigens, was macht eigentlich „Stasi-Mielke auf Rädern“ (Schäuble), der ja für eine Verschärfung gerade dieser Gesetze eintritt, denn genau von dem hört man in den letzten Wochen nicht ein einziges Wort.

Heute hätte mein Sohn, der auf’s Gymnasium geht und dieses Jahr sein Abitur macht, 2 (!!) Stunden haben sollen. Die sind beide ausgefallen. Das ist, verglichen mit meinem Eintrag vom 15.12.2008 eine Steigerung um 100 Prozent.

jul1Die sog. finanzkrise ist auch sprachlich hochinteressant.
firmen „erleiden“ milliardenverluste. (man fühlt sich an die leiden des jungen werthers erinnert).
die bundesregierung stellt rettungsschirme zur verfügung, unter die dann banken ’schlüpfen‘.
nee, herrschaften, das ist euphemismus in reinkultur, als würde diese krise so aus dem dunkeln über uns hereinbrechen…..
nein,  das musste so kommen. das ist systemimmanent.
diese banker wollten in diesem system immer mehr profit, shareholdervalue machen und da hat man sich um ethik schon mal einen scheissdreck gekümmert.  gesetze wurden missachtet. Vor bestrafung musste man sich in der regel auch nicht fürchten. man muss sich das vorstellen. mir fällt da lediglich ein name ein, den man in den usa wohl vor gericht stellen wird.
es wurde fröhlich gezockt, versemmelt, gegen die wand gefahren.
heute,am hl.abend des jahres 2008 kommt der herr blüm („die renten sind sischer“) daher und sagt, passend zum hl.abend (im Hamburger Abendblatt), dass es mit den auswüchsen der banker ein ende haben wird und dass in zukunft die werte des „ehrbaren kaufmanns“, der niemand „über den tisch zieht“, wieder vorrang haben werden.
passend zu dieser aussage meldet gerade die dpa, dass die löwen in afrika sich dieser aussage vom blüm vorbehaltlos anschliessen und sich ab heute, dem hl. abend des jahres 2008,nur noch vegetarisch ernähren werden.

Mandy besitzt eine Bar in Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft (hauptsächlich alkoholkranke Hartz-IV-Empfänger) auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren. Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandys Bar. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit auch massiv ihren Umsatz.Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Mandys Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung. Zur Refinanzierung transformieren top ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND®, ALKBOND® und KNALLBOND®. Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung SPA Super Prima Anleihen und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert. Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Mandys Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen. Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papierebeinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren. Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich. Eines Tages, obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk Manager (der inzwischen wegen seiner negativen Grundeinstellung selbstverständlich entlassen wurde) fest, dass es an der Zeit sei, die ältesten Deckel vonMandys Kunden langsam fällig zu stellen. Überraschenderweise können weder die ersten noch die nächsten Hartz-IV-Empfänger ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, bezahlen.Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus. Mandy macht Konkurs. SUFFBOND® und ALKBOND® verlieren 95%, KNALLBOND® hält sich besser und stabilisiert sich bei einem Kurswert von 20%.Die Lieferanten hatten Mandy extrem lange Zahlungsfristen gewährt und zudem selbst in die Super Prima Anleihen investiert. Der Wein- und derSchnapslieferant gehen Konkurs, der Bierlieferant wird dank massiver staatlicher Zuschüsse von einer ausländischen Investorengruppe übernommen. Die Bank wird durch Steuergelder gerettet. Der Bankvorstand verzichtet für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den Bonus.

In diesem Sinne :  Prost!
———————-
aus dem Internet

Pisa-Studie

15/12/2008

schlechte_zaehne1Mein Sohn, der aufs Gymnasium geht und nächstes Jahr das Abitur machen wird, hätte heute 2 (!!) Unterrichtsstunden haben sollen.
Davon ist eine ausgefallen.

Vielleicht besteht ja zwischen der Frequenz von Schulbesuchen und den Ergebnissen der Pisa-Studien ein Zusammenhang. (Nicht nur beim Zähneputzen!!)

Strickliesel

09/11/2008

Habe heute Nacht schlecht geschlafen. Hatte morgens auch Kopfschmerzen. Lag wohl daran, dass mein Kopf höher lag als üblich. Das wiederum lag an dem Säckchen mit meinen Ersparnissen, die unter dem Kopfkissen lagen. Denn diese Sache hat mir die letzten Tage keine Ruhe gelassen. Kann man den beiden Mitgliedern Merkel und Steinbrück von der Rasselbande aus dem Bundestag trauen, wenn die uns „versichern“, die Einlagen der Sparer seien gesichert??  Da war doch schon ‚mal einer, den konnte man fragen, was man wollte und bekam immer das gleiche Mantra „Die Renten sind sicher“ zu hören. Also, was bedeutet es, wenn uns versichert wird, die Einlagen der Sparer seien sicher. Ich vermute ‚mal, es bedeutet erst einmal garnichts. Man will vermeiden, dass die Sparer den Sparkassen die Hütte einrennen. Rechtlich gesehen ist diese Aussage vermutlich ohne Relevanz, denn ein entsprechendes Gesetz, das die Spareinlagen garantiert, gibt es nicht. Ich befürchte, das wird es auch nicht geben, und deshalb habe ich mir die Strickliesel wieder hervorgeholt und stricke mir jetzt einen Sparstrumpf, damit das mit den Kopfschmerzen morgens aufhört.

„Frau zu sein stell Dir ‚mal nicht so einfach vor“, höre ich immer von meiner Frau. Frau zu sein in der SPD ist noch eine Nummer härter.  Auch im zweiten Anlauf hat Frau Ypsilanti es nicht geschafft, Regierungschefin zu werden. Bis zuletzt soll sie mit weichem sch-Laut gezischelt haben „Isch will regieren!“ und hat es voll versemmelt. Jetzt verzichtet sie auf die Position der Spitzenkandidatin, nicht aber auf den Posten als SPD-Chefin. Als Nachfolger hat sie einen „kreativen, intelligenten und fleissigen Abgeordneten“ durchgedrückt, der besonders durch nichts als eine SPD-typische Besonderheit auffällt, nämlich durch einen Doppelnamen.
Frau Simonis hat es seinerzeit immerhin weitaus verzweifelter versucht, sich wählen zu lassen. Ingesamt sollen es wohl vier Versuche gewesen sein, ohne dass sie die erforderliche Mehrheit bekam. Simonis beklagt sich auch, dass die Abweichler Ypsilanti haben ins Messer laufen lassen. Eine bei der SPD nicht unübliche Methode sich im letzten Moment seines Gewissens zu erinnern.
Die Frage, die sich mir stellt, ist allerdings eine ganz andere, weil ich diese Art der politischen Auseinandersetzungen etwas zurückgelehnter und mehr aus dem Blickwinkel der Unterhaltung betrachte.  Ist es denn wirklich so wichtig, ob die Frau Simonis es geschafft hätte, oder die Frau Ypsilanti? Viel wichtiger ist doch das Leben danach. Das Leben nach der Politik. Da geht es doch erst richtig los. Ypsilanti und Simonis sollen doch als erstes Damen-Doppel bei der nächsten Staffel von „Let’s dance“ mitmachen. Und als Überraschungsgast um das intellektuelle Niveau zu wahren hat sich Sarah Palin angesagt.

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

soll angeblich von Kurt Tucholsky 1930 geschrieben und in der „Die Weltbühne“ veröffentlicht worden sein. Dem ist aber nicht so!! Siehe  Kurt Tucholsky-Gesellschaft.