elef3„Fürchtet Euch nicht“ kannte ich bisher nur aus der Westkurve des heimischen Fussballstadions. Da sangen dann die Fans, wenn die Namen der Spieler des Gegners angekündigt wurden, „Fürchtet Euch nicht“.
Gestern, am sog. Heiligen Abend waren wir in der Kirche und da fiel natürlich auch der klassische Satz des Verkündungsengels der Weihnachtsgeschichte „Fürchtet Euch nicht, denn Euch ist der Heiland geboren..“. Die Kirche war proppevoll. Wie immer, einmal im Jahr. Die Leute standen sogar in den Gängen. Was mir gut gefallen hat, war das Singen. Insgesamt durften wir, also die Gemeinde, sechs Lieder singen. Einmal mussten wir sogar im Stehen singen. Richtig lustig fand ich das dritte Lied. Die 6 Strophen  „Vom Himmel hoch“. Da haben wir es der Orgel gezeigt. Angetrieben wurden wir von einem Sänger, der hinter der letzten Reihe stand. Unser Sohn sagte, das ist bestimmt Herr S., sein ehemaliger Mathe-Lehrer und  Mitglied des Posaunenchores. Der sang mit kräftiger Stimme und setzte immer einen kleinen Tick vor der Orgel ein.  Hätte er mehr Platz gehabt, wie gesagt es war proppevoll, dann hätte er auch noch theatralisch die Arme zum Singen ausgebreitet. Bei der dritten Strophe waren wir im gleichen Tempo wie die Orgel und es hörte sich alles richtig festlich weihnachtlich an.  Aber Herr S.wurde zunehmend selbstbewusster und die Strophe 4 begann Herr S. den Einsatz eine Zehntelsekunde vor der Orgel. Die Gemeinde schloss sich Herrn S. an und eilte davon. Die Orgel hatte schwer zu kämpfen schaffte aber zum Ende der 4. Strophe den Anschluss. Die Strophen 5 und 6 waren unvergleichlich. Man kann davon sprechen, dass die Gemeinde, Herr S. und die Orgel eine Einheit bildeten. Irgendwie hatte ich jetzt das Gefühl, mich im Jahre 2009 nicht fürchten zu müssen.

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Tucho und Kalwunde

05/10/2008

Einen kleinen Vorgeschmack, warum mich Tucholsky’s Werk so begeistert und anregt kann man sich hier anschauen.

„Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin.“ so beginnt der Roman „Small World“ von Martin Suter. Im Besonderen gerühmt von Literaturkritikern und Lesern wird der eben zitierte Eingangssatz. Ich bin dabei ein paar Male hängengeblieben. Ist das nun richtig mit dem Dativ?? Wem brannte im Kamin? Dem Holz oder der Holz?? Gefühlsmässig hätte ich den Nominativ angewendet, also ….. alles stand in Flammen, ausser das Holz im Kamin!
Es gibt da einen weiteren Satz, über den ich gestolpert bin, nämlich „Nicht nur dank dem Geld und der Chirurgie….“ Also, ich hätt‘ da wohl eher den Genitiv bemüht und „dank des Geldes“ gesagt.
In der deutschsprachigen Schweiz, das wissen wir aus einem mehrjährigen Aufenthalt dort, wird es so gehandhabt wie im Roman. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Roman im schweizerischen Schriftdeutsch abgefasst wurde sind eine Reihe von Wörtern, wie z.B. Serviertochter für Kellnerin, Rande für rote Bete etc.
Nichtsdestotrotz (wem äääh was für ein Wort) machen gerade diese sprachlichen Besonderheiten für unsere Ohren die Authenzität des Romans aus, der überaus lesenswert, sehr spannend, hochaktuell und mit gesellschaftskritischem Bezug geschrieben ist.
Aber das mit das Holz im Kamin  😉

Kalifuzen

25/09/2008

„Kommt jetzt endlich zum Essen, ihr Kalifuzen“ oder
„Das waren bestimmt irgendwelche Kalifuzen„.
„Kann denn der Kalifuz nicht aufpassen?“
Das ist ein Wort, dass es garnicht gibt, obwohl ich es oft anwende und jeder weiss, was (so ungefähr) gemeint ist. Nämlich das Wort Kalifuz (Singular, maskulin) und Kalifuzen (Plural)
Weil mir die Schreibweise nicht klar ist, habe ich bei Google gegooglet (was sollte man dort auch sonst machen?) und das Wort nicht gefunden.
Ebenso bei anderen Suchmaschinen.
Auch in anderer Schreibweise keine Treffer.
Nun wollen wir doch ‚mal sehen, ob vielleicht irgendjemand irgendeines fernen Tages nach „Kalifuzen“ googlet.
Und dann würde er vielleicht hier landen, der arme Tor „und ist so klug als wie zuvor“.
Vielleicht murmelt er dann ja erbost „Verdammte Kalifuzen!“.