Ganz kleinlaut hat die Polizei jetzt die Fahndungsplakate zurückgezogen. Das war in den meisten Zeitungen, ebenfalls recht kleinlaut, in einem Dreizeiler zu lesen. Das interessante an dieser Aktion ist, man hat die Fahndungsplakate zurückgezogen, will heissen, nach den Personen, die auch Mannichl so als Täter beschrieben hatte, wird nun nicht mehr gefahndet. Auf der anderen Seite wurde die Belohnung für die Ergreifung des Täters vervierfacht. Das Geld hol‘ ich mir. Dann lass‘ ich jetzt ‚mal den Mannichl verhaften!!??

Advertisements

Dreieinhalb Wochen ist es her, dass der Herr Mannichl, seines Zeichens Polizeipräsident in Bayern, vor seiner Villa mit einem Messer angegriffen wurde. Sofort, und dafür bin ich unseren Medien dankbarst verbunden, wurden wir aufgeklärt, dass das nur Rechte gewesen sein konnten. Denn die hat der Herr Mannichl immer so bekämpft. Flugs hat man uns, wobei mich die Schnelligkeit da ab und an doch ein wenig irritiert, Bilder auf allen Kanälen gezeigt, in denen der furchtlose Cop Mannichl bei einer Demo von Rechten Ordnung schafft. Es wurde, auch flugs, eine 50-köpfige Sonderkommission gebildet und fleissig verhaftet. Zuerst 2 Männer, der rechten Szene zugeordnet, dann ein Ehepaar, ebenfalls der rechten Szene zugeordnet, aber das war alles nur heisse Luft. Phantombilder, die man nach Mannichl’s Angaben gefertigt und überall verteilt hat, sind laut Aussagen von Fachleuten wenig professionell.  Die, ich sag jetzt einfach ‚mal angeblichen, Täter haben mordsmässig grosse Tätowierungen an Hals und Gesicht. Und mit so einer Tätowierung kann man sich dann ja auch vor einer Sonderkommission mit 50 Beamten und einer informierten Bevölkerung verstecken. Das Tatmesser soll übrigens dem Herrn Mannichl gehören. Das hatte er auf seinem Fensterbrett draussen am Haus liegengelassen. Klar, wenn man jemanden meucheln will, dann nimmt man kein Messer mit, da wird schon irgendwas ‚rumliegen.  Übrigens, am Tatmesser befinden sich keine DNA-Spuren. Kommen wir hier vielleicht mit „cui bono“, also wem nützt es, weiter? Diese Geschichte hat natürlich einen Zweck. Denn, wie bereits gesagt, irritiert es mich gewaltig, wenn kurz nach der Tat auf allen Fernsehkanälen Politiker zu dieser Tat etwas sagen. Das ging mir nicht nur zu schnell, sondern das kam auch alles recht glatt daher. Immer der gleiche Tenor. Wir brauchen schärfere Gesetze, um diesen Radikalen das Handwerk zu legen. Übrigens, was macht eigentlich „Stasi-Mielke auf Rädern“ (Schäuble), der ja für eine Verschärfung gerade dieser Gesetze eintritt, denn genau von dem hört man in den letzten Wochen nicht ein einziges Wort.

Heute hätte mein Sohn, der auf’s Gymnasium geht und dieses Jahr sein Abitur macht, 2 (!!) Stunden haben sollen. Die sind beide ausgefallen. Das ist, verglichen mit meinem Eintrag vom 15.12.2008 eine Steigerung um 100 Prozent.

elef3„Fürchtet Euch nicht“ kannte ich bisher nur aus der Westkurve des heimischen Fussballstadions. Da sangen dann die Fans, wenn die Namen der Spieler des Gegners angekündigt wurden, „Fürchtet Euch nicht“.
Gestern, am sog. Heiligen Abend waren wir in der Kirche und da fiel natürlich auch der klassische Satz des Verkündungsengels der Weihnachtsgeschichte „Fürchtet Euch nicht, denn Euch ist der Heiland geboren..“. Die Kirche war proppevoll. Wie immer, einmal im Jahr. Die Leute standen sogar in den Gängen. Was mir gut gefallen hat, war das Singen. Insgesamt durften wir, also die Gemeinde, sechs Lieder singen. Einmal mussten wir sogar im Stehen singen. Richtig lustig fand ich das dritte Lied. Die 6 Strophen  „Vom Himmel hoch“. Da haben wir es der Orgel gezeigt. Angetrieben wurden wir von einem Sänger, der hinter der letzten Reihe stand. Unser Sohn sagte, das ist bestimmt Herr S., sein ehemaliger Mathe-Lehrer und  Mitglied des Posaunenchores. Der sang mit kräftiger Stimme und setzte immer einen kleinen Tick vor der Orgel ein.  Hätte er mehr Platz gehabt, wie gesagt es war proppevoll, dann hätte er auch noch theatralisch die Arme zum Singen ausgebreitet. Bei der dritten Strophe waren wir im gleichen Tempo wie die Orgel und es hörte sich alles richtig festlich weihnachtlich an.  Aber Herr S.wurde zunehmend selbstbewusster und die Strophe 4 begann Herr S. den Einsatz eine Zehntelsekunde vor der Orgel. Die Gemeinde schloss sich Herrn S. an und eilte davon. Die Orgel hatte schwer zu kämpfen schaffte aber zum Ende der 4. Strophe den Anschluss. Die Strophen 5 und 6 waren unvergleichlich. Man kann davon sprechen, dass die Gemeinde, Herr S. und die Orgel eine Einheit bildeten. Irgendwie hatte ich jetzt das Gefühl, mich im Jahre 2009 nicht fürchten zu müssen.

jul1Die sog. finanzkrise ist auch sprachlich hochinteressant.
firmen „erleiden“ milliardenverluste. (man fühlt sich an die leiden des jungen werthers erinnert).
die bundesregierung stellt rettungsschirme zur verfügung, unter die dann banken ’schlüpfen‘.
nee, herrschaften, das ist euphemismus in reinkultur, als würde diese krise so aus dem dunkeln über uns hereinbrechen…..
nein,  das musste so kommen. das ist systemimmanent.
diese banker wollten in diesem system immer mehr profit, shareholdervalue machen und da hat man sich um ethik schon mal einen scheissdreck gekümmert.  gesetze wurden missachtet. Vor bestrafung musste man sich in der regel auch nicht fürchten. man muss sich das vorstellen. mir fällt da lediglich ein name ein, den man in den usa wohl vor gericht stellen wird.
es wurde fröhlich gezockt, versemmelt, gegen die wand gefahren.
heute,am hl.abend des jahres 2008 kommt der herr blüm („die renten sind sischer“) daher und sagt, passend zum hl.abend (im Hamburger Abendblatt), dass es mit den auswüchsen der banker ein ende haben wird und dass in zukunft die werte des „ehrbaren kaufmanns“, der niemand „über den tisch zieht“, wieder vorrang haben werden.
passend zu dieser aussage meldet gerade die dpa, dass die löwen in afrika sich dieser aussage vom blüm vorbehaltlos anschliessen und sich ab heute, dem hl. abend des jahres 2008,nur noch vegetarisch ernähren werden.

Mandy besitzt eine Bar in Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft (hauptsächlich alkoholkranke Hartz-IV-Empfänger) auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren. Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandys Bar. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit auch massiv ihren Umsatz.Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Mandys Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung. Zur Refinanzierung transformieren top ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND®, ALKBOND® und KNALLBOND®. Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung SPA Super Prima Anleihen und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert. Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Mandys Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen. Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papierebeinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren. Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich. Eines Tages, obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk Manager (der inzwischen wegen seiner negativen Grundeinstellung selbstverständlich entlassen wurde) fest, dass es an der Zeit sei, die ältesten Deckel vonMandys Kunden langsam fällig zu stellen. Überraschenderweise können weder die ersten noch die nächsten Hartz-IV-Empfänger ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, bezahlen.Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus. Mandy macht Konkurs. SUFFBOND® und ALKBOND® verlieren 95%, KNALLBOND® hält sich besser und stabilisiert sich bei einem Kurswert von 20%.Die Lieferanten hatten Mandy extrem lange Zahlungsfristen gewährt und zudem selbst in die Super Prima Anleihen investiert. Der Wein- und derSchnapslieferant gehen Konkurs, der Bierlieferant wird dank massiver staatlicher Zuschüsse von einer ausländischen Investorengruppe übernommen. Die Bank wird durch Steuergelder gerettet. Der Bankvorstand verzichtet für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den Bonus.

In diesem Sinne :  Prost!
———————-
aus dem Internet